Willkommen zu meinem neuen Blog über Musik, Literatur und allem was mir sonst noch so einfällt.
Everything in life is a metaphor – Haruki Murakami
Dieser Blog soll eine Möglichkeit darstellen, meine literarischen Werke (wenn man so will) zu sammeln und meine Gedanken und Meinungen zu Musik und Literatur zu präsentieren. Außerdem werde ich ohne genauen Fahrplan einfach das schreiben, was mich gerade beschäftigt. Wenn sich jemand tatsächlich auf diese Seite verirrt hat: Herzlich Willkommen!
Mein Name ist Julian, ich bin leidenschaftlicher Musikfan und schreibe und rede gerne über dieses Thema. Außerdem bin ich (Amateur-) Autor von Kurzgeschichten und Gedichten. Was ich zum Leben brauche ist – neben Familie und Freunden natürlich – Musik, ein gutes Buch und Kaffee.
Eintrag I : 25. Januar 2020
Das Leben (Ein Gedicht)
- Aus was genau besteht es nun, dieses unseres Leben?
- Daraus zu schuften, zu ackern und nach Größerem zu streben?
- Leistung zu zeigen, der Beste zu sein.
- Ist oftmals nicht mehr als bloßer Schein.
- Alles was wir all die Jahre bildhaft vor uns sehen.
- Den oftmals steinigen, mühsamen Weg den wir müssen gehen.
- Führt er nur zu noch mehr Hektik oder was ist der Befund?
- Ist das alles auf Dauer wirklich noch gesund?
- Ist Geld und Einfluss wirklich das was glücklich macht?
- Oder gleicht das erreichen dessen einer ungerechten Schlacht?
- Versessen darauf es allen zu zeigen.
- Dazu zu gehören, zu den ersten Geigen.
- Ganz ohne Geld kann man leider nichts erreichen.
- Aber denkt nur mal an die ganzen anderen Zeichen.
- Freunde treffen, eine gute Zeit verbringen.
- Ganz ohne uns zu weiteren Höchstleistungen zu zwingen.
- Das Leben besteht nicht nur aus Wettbewerb und hetzen.
- Hin und wieder muss man sich mit lieben Menschen zusammen setzen.
- Die Zeit genießen, das schätzen was man hat erreicht.
- Bevor die gemeinsame Zeit viel zu schnell verstreicht.
- Zum Leben gehört natürlich die Arbeit und das Geld verdienen.
- Doch darf man nicht vergessen, andere Bedürfnisse zu bedienen.
- Die nach Ruhe und Geborgenheit, nach Spaß und Vergnügen.
- Nach Gesundheit, Lachen und friedlichen Atemzügen.
- Neben all den Attributen die hier zuvor genannt.
- Ist uns allen wahrscheinlich ziemlich gut bekannt.
- Nach einem gesunden Gleichgewicht sollte man streben.
- Denn daraus schließlich, besteht das Leben.
von Julian Baumann (2020)
Eintrag II: 25. Januar 2020
Album Kritik “A Long Way To Fall – Faces”
- Musikstil: Metalcore
- Erscheinungsdatum: 11. Januar 2019
- Herkunft: Stuttgart
- Label: FDA / Rockaine
- Spielzeit: 35:31
Als das Album “Faces” im Januar 2019 erschien, war es tatsächlich noch ein langer Weg bis zum nächsten Herbst…
Pseudolustige Wortspiele bei Seite, bei dem Album handelt es sich um die zweite Veröffentlichung (und dem ersten Full-Length Werk) der Stuttgarter Band “A Long Way To Fall”.
Die Band wurde im Jahr 2016 in Stuttgart gegründet und spielt im Grunde klassischen Metalcore. Die Verschmelzung von Melodien und der Spielfreude des Metal mit deutlichen Einflüssen aus dem Hardcore Punk, ist beileibe nicht mehr neu, wird in der Szene jedoch noch (zumindest in weiten Teilen) als Trend angesehen. In den letzten Jahren wurden unzählige Bands in diesem Genre gegründet, einige haben sich bereits wieder aufgelöst oder ihren Sound in eine andere Richtung gelenkt. “A Long Way To Fall” bezeichnen ihre Musik in der Bio auf ihrer Homepage als “metalcore […] for a new generation” (‘Metalcore für eine neue Generation’). Dabei erfinden sie das Rad nicht neu, liefern aber ein gelungenes Genrewerk ab.
Das Album beginnt mit “Choices” ziemlich direkt. Nach einem kurzen Intro setzen die Instrumente und der typische Schreigesang beinahe gleichzeitig ein. Sofort fällt auf, dass sich die Band nicht am Trend der letzten Jahre orientiert und massenhaft elektronische Spielereien, Rapparts oder elektronisch verfremdeten Gesang einsetzt. Hier scheinen eher Bands wie Caliban, August Burns Red oder die moderneren Bury Tomorrow Pate gestanden zu haben.
Mit “Driven by Greed” hat es tatsächlich auch ein richtiger Ohrwurm auf das Album geschafft. Der Song überzeugt durch gelungene Gitarrenmelodien (At The Gates oder alte In Flames lassen Grüßen), aggressivem aber gut verständlichem Screaming und einem Refrain den man auch Stunden nach dem Hören noch im Kopf hat. Im letzten Drittel wird die Brutalität herausgenommen um Platz für eine kurze Verschnaufpause zu schaffen. Die bis hier hin sehr gelungenen Gesangslinien werden hier leider etwas kitschig. Vor allem das “I would have killed for you, I would have stolen for you, I would have lied for you” klingt gezwungen und unrund. Trotz dieser kleinen Schwäche ist “Driven by Greed” ein sehr gelungener Song der alles beinhaltet was den Sound der Band ausmacht und auch noch mit einem gut produzierten Musikvideo aufwarten kann.
Eine Besonderheit stellt das nachfolgende “Verloren” dar, dass als einziges Stück des Albums mit einem deutschen Text versehen wurde. Das kann oft sehr kitschig werden, wird an dieser Stelle jedoch durchgehend souverän gemacht. Auch hier fühlt man sich an die deutschen Vorreiter Caliban (nebeL) erinnert. Die sparsame Instrumentierung während der Strophen geben dem Text, der sich offensichtlicht mit dem Verlassenwerden auseinandersetzt, genug Raum um wirken zu können. Gegen Ende wird es dann Gitarrentechnisch nochmal deutlich härter, von einer Ballade kann hier also überhaupt keine Rede sein. Im Gesamten kann gesagt werden, dass das Projekt “Deutscher Song” hier wirklich gelungen ist. Gerade weil der Rest des Albums mit englischen Texten bestückt ist, sticht er aus der Masse heraus.
“Last Attempt” flechtet in die harten Riffs und melodischen Gitarrenläufe, im Mittelteil eine Art Synthteppich ein. Dieser Part wird jedoch nur unterstützend eingesetzt und bleibt ausreichend im Hintergrund um nicht störend zu wirken oder den Gitarren den Platz streitig zu machen.
Der abschließende Song “Stone Filled Heart” lässt durch die Melodien und den gut abgestimmten Wechsel aus Harsh und Clean Vocals noch einmal aufhorchen. Dieses Lied fasst das Album nochmal als Gesamtes zusammen und beinhaltet alle Elemente die zuvor schon gut eingesetzt wurden. Als Randnotiz sei noch gesagt, dass das Album tatsächlich mit der Zeile “It will be a damn long way to fall” endet.
Als Kritikpunkt kann natürlich angeführt werden, dass man alles was man auf “Faces” zu hören bekommt schon einmal wo anders gehört hat. Eine eigene Identität hat die Band noch nicht gefunden, hier ist auf jeden Fall Platz nach oben. Das Rad muss jedoch nicht unter allen Umständen neu erfunden werden, eine Band muss nicht experimentell oder einzigartig sein um ein durchweg gelungenes Album zu erschaffen. Genau das haben “A Long Way To Fall” mit “Faces” bewiesen.
Abschließend kann gesagt werden, dass man es hier mit einem gut produzierten, gut geschriebenen Metalcore Album zu tun hat, dass zwar keinen Innovationspreis gewinnt aber einen gelungenen Einstieg einer aufstrebenden Gruppe darstellt. Ich bin gespannt wie sich die Musik der Jungs in der kommenden Zeit behaupten wird, das Potential ist hörbar vorhanden.
von Julian Baumann (2020)
Eintrag III: 25. Januar 2020
Eine Welt (ein Gedicht)
- In einer Welt in der so viele sterben.
- Kann man sich wirklich über Kollegen ärgern?
- In einer Welt in der so viele Menschen hungern.
- Kann man ruhigen Gewissens in dunklen Gassen lungern?
- Die Wälder werden kleiner oder verschwinden ganz.
- Während die Reichen fressen und saufen und einladen zum Tanz.
- Ein Land das brennt, in einem anderen erfrieren die Kinder.
- Und wir wundern uns über den nicht vorhandenen Winter.
- Der nicht enden wollende Krieg im nahen Osten.
- Verursacht mehr als nur extreme Kosten.
- Ganze Familien sterben oder verlieren ihr Haus.
- Wegen Öl und Gier und Macht und Graus.
- Wems besser geht und davon nichts weiß.
- Denkt sich gern, das ist doch alles nicht so heiß.
- Doch der Fehler der sich dadurch stellt.
- Wir sind nicht nur eine Nation, sondern eine Welt.
- Denkt nur mal wir wären an ihrer Stelle.
- Wäre es dann nicht auf einmal unsere Welle?
- Dann wären wir die die Hilfe brauchen.
- Die man retten muss weil die Häuser brennen und rauchen.
- Helft mit dem was ihr könnt und sei es noch so klein.
- Gemeinsam gelingt es, Stein um Stein.
- Zu sorgen für eine bessere Welt.
- Das zählt mehr als Macht und Prunk und Geld.
von Julian Baumann (2020)
Eintrag IV: 25. Januar 2020
Am Ufer (eine (Horror?) Kurzgeschichte
Er stand am Ufer eines ihm unbekannten Gewässers und starrte auf das Wasser. Durch den dichten Nebel, der wie eine Decke über dem Land lag, konnte er die andere Seite nicht erkennen. Er wusste nicht wo er sich befand oder wie er hier hingekommen war und konnte sich auch nicht erinnern aus welchem Grund er sich an diesem, scheinbar von Gott und den Menschen verlassenen Ort, aufhalten sollte. Zögerlich blickte er umher, seine Augen waren empfindlich und brannten als würde er direkt in die Sonne blicken aber die Gegend um ihn war dunkel und so mit Nebel behangen, dass er nur wenige Meter weit sehen konnte. Als sich seine Augen nach einer scheinbaren Ewigkeit an die Dunkelheit gewöhnt hatten, erkannte er einen Schiffskran hinter sich und ein altes, halb zerfallenes Gebäude dass womöglich einmal ein Lagerhaus gewesen war. Es roch nach Schwefel und nach verrottendem Fisch aber er konnte den Ursprung dieses Gestanks nicht ausmachen. Er stand noch immer an dem Ufer und blickte auf seine Hände, sie schienen nicht ihm zu gehören, ganz so als befinde sich seine Seele in einem falschen Körper. Plötzlich hörte er hinter sich ein lautes Krachen, gefolgt von leisen platschenden Schritten. Er fuhr herum und erkannte einen Schemen in dem dichten Nebel, der langsam aber beständig auf ihn zuzukommen schien. Sein Kopf sagte ihm, dass er Angst verspüren sollte, doch er fühlte nichts. Wie erstarrt stand er an diesem fremden Ufer während die komische, unförmige Gestalt weiter auf ihn zu kam.
„Wer sind Sie, was wollen Sie?“
Wollte er schreien, doch seine Stimmbänder und die Zunge führten den Befehl seines Gehirns nicht aus.
Als der merkwürdig verrenkte Schatten nur wenige Meter vor ihm aus dem dichten Nebel trat hörte er einen hohen angsterfüllten Schrei. Es dauerte einige Momente bis er erkannte, dass der Schrei aus seinem Mund gekommen war und mit einem Schlag war sie da. Die Angst. Es war nicht die Art von Angst die man verspürt wenn man sein eigenes Leben, oder das eines geliebten Menschen in Gefahr erahnt, sondern eine ursprüngliche, existentielle Angst die er bisher noch nie empfunden hatte.
Die Gestalt, die noch immer mit schlurfenden Schritten auf ihn zu kam, durfte nicht von dieser Welt sein, sie widersprach den Naturgesetzen und löste allein deshalb diese ihm bis jetzt unbekannte Angst aus. Die Gliedmaßen der Gestalt hatten eine äußerst seltsame Proportion. Die Beine waren so dünn dass sie nur aus Knochen zu bestehen schienen und schlackerten bei jedem Schritt, die Füße dagegen waren ungewöhnlich lang und platt, was den schlurfenden, platschenden Schritt der Kreatur erklärte. Die Arme waren ebenfalls lang und dünn und während eine der Hände unversehrt erschien, befanden sich an der anderen statt Fingern nur blutige Stumpen. Der Körper der Gestalt war aufgedunsen und nahezu vollständig von blutigen Striemen bedeckt, ganz so als sei sie immer wieder ausgepeitscht worden. Das Gesicht dagegen sah aus als hätte jemand immer wieder darauf eingeschlagen, die Nase war gebrochen und die Lippen sowie die Augen so stark angeschwollen, dass die Erscheinung kaum mehr als menschlich zu erkennen war. Der Anblick war schrecklich und grotesk und dennoch erkannte eine unterschwellige Regung in seinem Geist dieses Wesen dass mit zitternden Beinen vor ihm stand und ihn mit zugeschwollenen Augen ansah. Die Angst lies ihn einige Schritte rückwärts taumeln doch er wusste dass es kein Entkommen gab, hinter ihm lag das schwarze unbekannte Gewässer und vor ihm stand diese Kreatur.
Obwohl das zerstörte Gesicht keine Regungen zeigte, begann die Gestalt zu sprechen. Die Worte klangen ungewöhnlich klar und deutlich, fast schon freundlich.
„Bitte, kehr um“, sagte die Gestalt.
Kehr um hallte es in seinem Kopf nach. Wie sollte er umkehren wenn er nicht mal wusste wo er war oder woher er gekommen war. Gab es einen Ort an den er zurückkehren konnte? Er wusste es nicht.
Die Gestalt kam einen zögerlichen, zittrigen Schritt auf ihn zu und sagte noch einmal:
„Bitte, kehr um“.
Es klang warm und überhaupt nicht bedrohlich, eher so als wollte sie ihm helfen. Das groteske Erscheinungsbild lies ihn jedoch noch einen Schritt rückwärts taumeln, jetzt stand er direkt am Ufer und konnte nicht weiter zurück ohne in das schwarze Wasser zu fallen.
„Ich bin nicht tot“, sagte die Gestalt, ganz so als würde das tatsächlich Sinn ergeben.
Er wusste dass sie nicht tot war, schließlich stand sie hier vor ihm und auch wenn die Verletzungen gravieren waren, lebte diese Gestalt ganz offensichtlich.
„Ich bin nicht verloren, es gibt Hoffnung. Es gibt immer Hoffnung. Bitte, kehr um“, sagte die Gestalt, jetzt beinahe flehend.
Sie streckte die unversehrte Hand aus, ganz so als wollte sie ihm Hilfe anbieten. Er starrte auf die Hand und die Geste wirkte tatsächlich freundlich und mit guten Absichten. Die zugeschwollenen Augen öffneten sich leicht und mit einem Schlag erkannte er, wen er hier vor sich hatte. Die Angst war wie weggeblasen und er ging einen festen, entschiedenen Schritt auf die Gestalt zu um die noch immer ausgestreckte Hand zu ergreifen.
Doch mit einem Mal merkte er wie etwas von hinten nach seinem Fußgelenk griff. Der Griff war unmenschlich stark und verursachte ihm Schmerzen.
„Nein, bitte!“, schrie die Gestalt.
Mit einem furchtbaren Ruck riss der Griff um sein Fußgelenk ihn von den Beinen, er fiel auf die nassen Holzdielen des Hafens und schlug sich die Lippen auf.
Bevor der Griff ihn nach unten in das schwarze, tiefe Wasser riss konnte er, ganz klar und deutlich, die Gestalt am Ufer stehen sehen. Die Verletzungen waren verschwunden und die Proportionen schienen nahezu wieder normal zu sein. Es sah ganz so aus als stände ein normaler Mensch am Ufer und schaute mit traurigem, resigniertem Blick in die schwarzen Fluten.
Bevor sein Körper in das schwarze Wasser eintauchen konnte, wachte er schweißüberströmt und zittrig auf. Irgendwo in seinem näheren Umfeld klingelte ein Telefon, das Geräusch zerriss die gespenstische Stille um ihn. Wieder brauchte er einige Momente bis sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Er war in seiner Wohnung, die Vorhänge waren zugezogen und es brannte kein Licht. Das Telefon klingelte weiter und verursachte ihm Kopfschmerzen. Wer konnte das nur sein? Sein, noch vom Schlaf und dem äußerst merkwürdigen Traum vernebelter, Verstand konnte zunächst keine Antwort finden. Er dachte an seine Freundin und sein Herz wurde für einen Augenblick warm. Da er davon ausging, dass sie es sein musste die ihn so penetrant versuchte zu erreichen, ging er einige Schritte in Richtung des klingelnden Telefons. Doch mit einem Mal fiel die Taubheit des Schlafes von ihm ab und er erinnerte sich an alles.
Mit schlurfenden Beinen und zittrigen Knien ging er langsam an eins der Fenster. Er schob den Vorhang beiseite und öffnete es. Das Sonnenlicht blendete ihn und verstärkte seine Kopfschmerzen. Er wohnte im obersten Stock eines Hochhauses, in einer Wohnung die er sich eigentlich nicht mehr leisten konnte. Tief unter sich erkannte er den Asphalt des Parkplatzes und dachte zum wiederholten Male in den letzten Wochen, wie einfach es wäre alles zu beenden. Den Schmerz, die Verzweiflung, die Albträume. Er hob einen Fuß auf die Fensterbank.
„Nur ein Sprung und alles ist endlich vorbei. Niemand wird um mich trauern“, murmelte er.
Er lehnte sich aus dem Fenster und mit einem Mal hörte er eine Stimme in seinem Kopf.
„Bitte, kehr um.“
Er erstarrte und hörte die Stimme noch einmal.
„Es gibt noch Hoffnung, es gibt immer Hoffnung“, sagte die fremde, aber vertraute Stimme in seinem Kopf.
Er erkannte die Bedeutung, verstand was der Traum ihm sagen wollte und stieg von der Fensterbank. Mit entschiedenem Schritt, ging er auf das, noch immer klingelnde, Telefon zu.
„Ich bin nicht tot“, sagte er mit fester Stimme, bevor er den Anruf endlich entgegen nahm.
von Julian Baumann (2020)
Eintrag V: 25. Januar 2020
Metalcore (eine Kolumne)
Die immerwährende Frage: Ist das ein hipper Trend oder doch eine etablierte Form der härteren Gitarrenmusik? Kaum ein anderes Genre in der Welt des Heavy Metal wird auf so unterschiedliche Arten aufgenommen wie der Metalcore. Gesungene, oftmals poppige Refrains haben doch im Metal nichts verloren. Die geschrienen Anteile sind doch nur Pseudobrutalität und sowieso klingen alle diese jungen Bands gleich.
Wagen wir einen Blick in dieses Genre, beleuchten die Herkunft und fragen uns nach dem aktuellen Stand in der Szene
Die wichtigste Frage bei einem Hybridgenre ist zweifelsohne die Frage nach der Herkunft. Heavy Metal mit Breakdowns und Hardcore Attitüde oder doch Hardcore Punk mit Metalelementen? Betrachtet man Vorreiter wie „Mourning Again“ oder „Undying“ scheint die Antwort auf der Hand zu liegen. Es handelt sich um Hardcore-Bands, die immer mehr Einflüsse des Metals (vorallem von Slayer und Co.) in ihrer Musik verarbeitet haben, ihren Ursprung jedoch ohne Zweifel in der Hardcore-Szene sehen.
Das Album „As Tradition Dies Slowly“ von Mourning Again, erschien im Jahre 1998. Es wurde sowohl von Hardcorefans, als auch von der (extremen) Metalszene wohlwollend aufgenommen und zeigt exemplarisch, dass die beiden Musikrichtungen sehr gut harmonieren können. In Erinnerung rufen muss man sich dabei, dass die (Hardcore-) Punk und die Metalszene zu diesem Zeitpunkt klar voneinander abgegrenzt war. Eine natürliche Verschmelzung wie wir sie heute kennen war damals nicht denkbar.
Was genau zeichnet das genannte Album aus? Der Grundstein ist ganz klar Hardcore, auch die Texte handeln metaluntypisch (zumindest für die Zeit) von politischen Fragen, Veganismus und Antimilitarismus. Musikalisch ist neben den zu erwartenden Strukturen jedoch ein deutlich von Slayer beziehungsweise vom Thrash Metal inspiriertes Riffing zu erkennen.
Ein weiteres wichtiges Album, das ich an dieser Stelle nennen möchte, ist „The Whispered Lies of Angels“ der Band Undying. Vergleichbar mit dem oben genannten Werk sind auch hier klassische Metalriffs in den typischen Hardcore Sound eingewoben. Im Unterschied zu diesem sind die Elemente jedoch weniger vom Thrash Metal und viel mehr von schwedischem Melodic Death Metal (At The Gates, (alte) In Flames, Dark Tranquillity) inspiriert, was das Album auch deutlich melodischer als „As Tradition Dies Slowly“ macht. Diese Elemente wurden auch von populären Vertretern des Genres wie beispielsweise „As I Lay Dying“ aufgegriffen.
So weit zu den Ursprüngen, was natürlich keinen wirklichen oder gar vollständigen Überblick bietet. Das Gruppen wie die mächtigen „Converge“ und „Coalesce“ ebenfalls massiven Einfluss auf das Genre hatten, ist eine Tatsache. Ich denke jedoch, dass diese Bands von Beginn an ihren ganz eigenen Sound präsentierten, der sich zwischen den Stühlen befand, jedoch von beiden Lagern akzeptiert wurde. Befassen wir uns nun mit der Frage, wie diese Mischung aus Elementen diesen oftmals negativen Ruf erhalten hat, der ihr bis heute nachhängt.
Ich bin der Meinung, dass nicht zuletzt das Erscheinungsbild und die Mode einen nicht unbedeutenden Anteil an der Kritik geleistet haben. Mitte der 2000er Jahre wurde das Aussehen und das Auftreten immer wichtiger, was zuvor nur Beiwerk neben der Musik war. Bands wie „Killswitch Engage“ , „Unearth“ und die zuvor bereits genannten „As I Lay Dying“ wurden damals, und werden auch noch heute, als fester Bestandteil der Metalszene angesehen obwohl sie deutliche Anteile an Hardcore Elementen aufwiesen. Das Album „The Poison“ von „Bullet For My Valentine“ kann als gutes Beispiel für die Veränderung des Metalcore angesehen werden. Während die Musik ganz klar im Metal anzusiedeln ist (melodische Gitarrenriffs, Soli und Songstrukturen die an Metallica erinnern) schreckte das Auftreten und die Texte viele Hörer ab.
Mit dem immer poppigeren Sound und Einflüssen aus Trance und Elektro verwässerte die Mischung mit den Jahren immer mehr. Dazu kam eine sterile, glatte Produktion die zum Standard wurde und das Wegfallen von Ecken und Kanten. Die Musik von beispielsweise „The Word Alive“ oder „We Came As Romans“ hatte mit dem ursprünglichen Sound von Mourning Again oder auch späteren Bands wie Unearth nichts mehr gemein. Man muss sich dennoch vor Augen halten, dass nach all dieser Zeit die wirklich bekannten und erfolgreichen Bands noch immer in weiten Teilen der Metalszene wohlwollend angenommen werden. Dazu zählen neben den genannten auch Gruppen wie „Parkway Drive“, „Heaven Shall Burn“ oder „August Burns Red“.
Ich denke dass der negative Ruf des Metalcores vor allem dadurch Bestehen hat, dass weite Teile der Szene diese Musikrichtung mit Trends assoziieren. Viele denken bei Metalcore nicht an eine Band wie Hatebreed, sondern an „Asking Alexandria“, „Bring Me The Horizon“ oder „Blessthefall“ und an Schminke, Emofrisuren und eine oftmals sehr junge (und mit einem hohen Anteil an jungen Frauen versehene) Fanbase. Das die Musik der besagten Bands im Jahre 2020 mit Metalcore wenig bis garnichts gemein hat, gibt dieser Einstellung keinen Abbruch.
Der (unsägliche) Trend der „Trancecore Bands“ und des Autotunegesangs gehört glücklicherweise der Vergangenheit an. Heute ist Metalcore zwar noch immer eine sehr moderne Art des Metals, die Akzeptanz scheint jedoch etwas höher zu sein.
Zuletzt einen kleinen Ausblick und ein paar bescheidene Empfehlungen. In der Szene scheint eine Rückbesinnung auf alte Werte stattgefunden zu haben. Neue junge Bands orientieren sich mehr und mehr wieder an dem Sound der Vorreiter, ohne jedoch die in der Szene geliebten Breakdowns und die wuchtige Produktion zu vernachlässigen. Vor allem im Vereinigten Königreich entsteht in den letzten Jahren eine unfassbar starke Szene. Neben etablierten und erfolgreichen Bands wie „Architects“, „While She Sleeps“ oder „Bury Tomorrow“, möchte ich an dieser Stelle drei (noch) nicht so bekannte Bands erwähnen. Zum ersten „Our Hollow, Our Home“ aus Southhampton, die zwar schon zwei vollständige Alben vorweisen können aber meiner Meinung nach noch deutlich zu unbekannt sind. Zum zweiten die Durchstarter „Deadthrone“, welche eine sehr melodische Variante des Metalcore spielen. Die vielen Gesangspassagen wirken jedoch zu keinem Zeitpunkt kitschig oder poppig und die Jungs sehen aus wie gestandene Männer, also keine Spur von schwarzgefärbten Haaren oder Maskara. Wer es etwas härter mag, dem kann ich die Band „Hollow Front“ ans Herz legen. Die Gruppe hat bisher nur eine EP veröffentlicht, diese muss sich jedoch vor niemandem verstecken. Auch hier werden gesungene Passagen eingesetzt, jedoch deutlich sparsamer und der geschriene Anteil ist zum einen deutlich höher und zum anderen auch sehr variabel. Daneben gibt es tolle Melodien, Moshparts und harte Breakdowns. Metalcore besteht seit über 20 Jahren und die Zukunft sieht vielversprechend aus.
Eintrag VI: 06. Februar 2020
Freundschaft (Ein Gedicht)
- Sie sind nah, auch wenn sie fern sind.
- Verteilt wie Blätter im Wind.
- Nähe ist mehr als das bloße Auge sieht.
- Mehr als Berührungen und Blicke.
- Mehr als Schulterklopfen und freundliches Genicke.
- Verbundenheit ist ein festes Band.
- Ungeachtet von Ort und Zeit und Land.
- Gedanken bewegen sich frei wie der Wind.
- Ganz egal wo immer sie gerade sind.
- Verbundenheit trägt man im Herzen.
- Dann verursacht die Distanz auch keine Schmerzen.
- Das Glück zu wissen, dass jemand da ist.
- Immer hier ist, auch wenn er nicht hier ist.
- Das ist Freundschaft, ganz gewiss.
von Julian Baumann (2020)
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